Multifilamentanlage im FET-Faserentwicklungszentrum (Bild: FET)

Hochspezialisierte Extrusionslinien

Fibre Extrusion Technology

Eine Welt ohne Garne, Fasern und Vliese ist undenkbar. Hochwertige Fasern­ bilden die Basis für Textilien und zahlreiche weitere Produkte – ihre Herstellung erfordert jedoch höchste Präzision und die Einhaltung strenger technischer wie gesetzlicher Anforderungen.

Die Fibre Extrusion Technology (FET) mit Sitz in Leeds (UK) ist ein führender britischer Hersteller von Prozesstechnologie und Anlagen für die Chemiegarn- und Faserextrusionsindustrie. Seit der Gründung im Jahr 1998 entwickelt, produziert, installiert und wartet FET hochspezialisierte Extrusionslinien für Kunden weltweit.

Alle FET-Systeme werden kundenspezifisch ausgelegt. Das Unternehmen liefert Extruder und komplette Folgeanlagen im Labor-, Pilot- oder schlüsselfertigen Produktionsmaßstab, unter anderem für:

• Schmelzspinnsysteme für Mono- und Multifilamente­

• Schmelzblas- und Spinnvliesanlagen für Vliesstoffe

• Nassspinnsysteme für Filamente und Fasern

Im firmeneigenen, hochmodernen Faserentwicklungszentrum mit integriertem Testlabor führt FET Entwicklungsarbeiten, Tests und Kundenversuche durch. Typische Anwendungen sind:

• Resorbierbare Polymere für Medizin­produkte

• Spezialfasern aus anspruchsvollen Polymeren­

• Nachhaltige, biologisch abbaubare Materialien­

• Textilien für Verbundwerkstoffe

• Funktionelle Textilien und Vliese

Die Einsatzgebiete der mit FET-Anlagen hergestellten Garne, Fasern und Vliese reichen von Bekleidungs- und Funktionstextilien über Hygieneprodukte, Polster und Matratzen bis hin zu Anwendungen im Bauwesen. In der Medizintechnik­ kommen resorbierbare und nicht resorbierbare Polymere etwa für chirurgisches Nahtmaterial oder Implantate zum Einsatz. Die Weiterverarbeitung erfolgt dabei bei den Kunden oder spezialisierten Dienstleistern, die Sterilisation überwiegend mittels Ethylenoxid oder Gamma-Bestrahlung. 

Garne (Bild: FET)

Faserentwicklungszentrum

Ein wesentlicher Erfolgsfaktor von FET ist die enge Zusammenarbeit mit technologisch anspruchsvollen Kunden. Nach umfangreichen Investitionen eröffnete das Unternehmen 2023 sein neues Faserentwicklungszentrum (FDC). Das zweistöckige Gebäude beherbergt modernste Faserextrusionssysteme und dient der gemeinsamen Entwicklung wissenschaftlich fundierter und praxisnaher Lösungen – in Kooperation mit Kunden, Rohstoffherstellern und Forschungseinrichtungen. Dabei werden nahezu alle relevanten Materialtypen untersucht und verarbeitet.

Extrudierte Garne und Fasern für medizinische­ Anwendungen

Ein Meilenstein war das Jahr 2012, als ein führender­ Medizintechnikhersteller eine schlüsselfertige Lösung zur Verarbeitung resorbierbarer Polymere für chirurgisches Nahtmaterial suchte. Gemeinsam mit Motan Colortronic LTD UK und Rohstofflieferanten startete FET ein umfangreiches Entwicklungsprojekt.

Zentrale Anforderungen waren unter anderem:

• Extrem niedriger und homogener Feuchtegehalt

• Hochpräzise Additivdosierung (± 0,02 %)

• Definierte Reißfestigkeit und Elastizität

• Biokompatibilität und absolute Reinheit der Produkte

Hinzu kamen strenge regulatorische Vorgaben, insbesondere zur Fadenstärke nach Europäischer­ Pharmakopöe (EP) und USP-Klassifizierung. Gleichzeitig spielen wirtschaftliche Aspekte eine Rolle, da eingesetzte Polymere Preise von über 2.500 GBP pro Kilogramm erreichen können.

Da konventionelle Schmelzspinnverfahren ungeeignet waren, entwickelte FET ein modifiziertes Verfahren. In enger Zusammenarbeit mit Motan Colortronic entstanden innovative Lösungen, darunter eine verbesserte Materialtrocknung, hochgenaue gravimetrische Dosierung, energieeffiziente Prozesse sowie eine vollständig integrierte, automatisierte Steuerung.

Diese Entwicklungen mündeten in serienreife Anlagen, die seitdem weltweit erfolgreich bei FET-Kunden im Einsatz sind. Motan Color­tronic liefert dazu die komplette Materialaufbe­reitung und -versorgung, einschließlich Dosier-, Förder- und Trocknungs­systemen.

v.l.n.r Karl Miller (CEO Motan­ Colortronic­ (UK) Ltd), Richard Slack (CEO FET Ltd), Jochen Freier (Vertriebs­direktor Export motan Gmbh) vor einer Versuchsanlage im FET Faserentwicklungs­zentrum. Im Hintergrund sind die modifizierten motan Maschinentrichter mit Aufnahme­vorrichtungen für die Maschinentrichter­ mit getrocknetem Material zu sehen (Bild: motan)

Materialvielfalt und Prozesssicherheit

Heute werden weltweit zahlreiche Polymere für medizinische Anwendungen eingesetzt, darunter­ PLA, PGA, PCL, P4HB, PDO und PTMC. Sie zeichnen sich durch hohe Biokompatibilität, geringe Toxizität und definierte Abbauraten aus. FET hat bislang über 70 unterschiedliche Polymertypen als Mono- und Multifilamente sowie als Vliese verarbeitet – darunter auch Materialien aus nachhaltigen Quellen.

Besondere Bedeutung kommt der präzisen Trocknung zu, da viele dieser Polymere extrem hydrolyseempfindlich sind. FET setzt daher auf speziell entwickelte Extruder- und Schneckenkombinationen sowie auf die Ex­trusion unter inerter Atmosphäre, um kon­stante Produkt­eigenschaften sicherzustellen.

Materialaufbereitung und -versorgung

Die große Materialvielfalt stellt auch hohe Anforderungen­ an die Peripherietechnik. Je nach Anwendung kommen bei Motan Co­lortronic Trockner mit Taupunkt- und Luft­mengenregelung, automatische oder manuelle Fördersysteme sowie gravimetrische Dosier- und Mischsysteme zum Einsatz. FET legt dabei großen Wert auf den Einsatz bewährter Standardkomponenten für einen sicheren und zuverlässigen Betrieb.

Bei Labor- und Pilotanlagen erfolgt die Trocknung häufig chargenweise. Das Material wird anschließend in hermetisch geschlossenen Glasbehältern kontaminationsfrei zum Extruder transportiert. Dafür hat FET ein spezielles Schnellverschlusssystem entwickelt, das auf Standardbehälter adaptiert werden kann.